Die Holzmühle – ein Ausflugsziel mit überraschender Geschichte

09.10.2026 | 0 Kommentare

🌳 Die Holzmühle war für Generationen von Eldagsern ein Begriff. Zu Fuß ging es durch den Wald hinaus, später auch mit Bus, Auto oder Motorrad. Man traf sich auf Kaffee und Kuchen, feierte im großen Saal oder verbrachte einfach ein paar gemütliche Stunden am Mühlenteich.
Dabei begann alles ganz anders. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg befand sich hier eine Sägemühle des von Wedemeyerschen Obergutes. Zwei Wasserräder trieben eine Säge- und eine Grützmühle an. Und bereits um 1660 wurde an der Holzmühle eine Kruggerechtigkeit ausgeübt. Mühle und Einkehr gehörten hier also schon sehr früh zusammen.
🍺 Aus der Mühle wurde ein beliebtes Ausflugsziel. 1877 lockten „Concert und Tanz“, im Winter konnte auf dem Mühlenteich Schlittschuh gelaufen werden. In den 1930er Jahren war der Andrang so groß, dass täglich ein Cabriolet-Bus vom Bahnhof Eldagsen-Völksen zur Holzmühle fuhr. Sogar aus Hannover kamen Ausflügler mit dem „Autoomnibus“.
🏥 Eine fast vergessene Geschichte spielte sich im Zweiten Weltkrieg ab. Nachdem die Unfallklinik in Hannover ausgebombt worden war, wurde sie 1944 in die Holzmühle ausgelagert. Ärzte und Pflegepersonal lebten dort, auf dem Gelände waren außerdem Kriegsgefangene untergebracht. Eingefügter Text
Als Anfang April 1945 die amerikanischen Truppen vorrückten, lag die Holzmühle plötzlich mitten im Kriegsgeschehen. Nach den Kämpfen an der Panzersperre wurden am 7. April neun deutsche Soldaten zur Holzmühle gebracht. Einige lebten noch und wurden dort operiert, starben jedoch an ihren schweren Verletzungen.
🌲 Nach dem Krieg wurde die Holzmühle wieder zum Ausflugsziel. An vieles davon kann ich mich selbst noch erinnern. Mein Großvater half Ende der 1960er Jahre gelegentlich dort. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir, wie er im Inneren des großen Wasserrades stand und daran Reparaturen ausführte.
Und dann war da noch die kleine motorbetriebene Kindereisenbahn, die um den Mühlenteich fuhr. Viele Eldagser dürften sie ebenfalls noch kennen.
Seit 1991 befand sich die Holzmühle im Besitz der Familie Hemmecke, die das Haus umfangreich renovierte und als Waldhotel und Gaststätte weiterführte. 2022 endete schließlich der gastronomische Betrieb.
🌿 Auch der ehemalige Steinbruch nebenan hat sein Gesicht völlig verändert. 1964 wurden dort bei einer gewaltigen Sprengung mehr als 100.000 Tonnen Gestein freigesetzt. Seit 1985 steht das Gelände unter Naturschutz – längst hat sich die Natur große Teile des ehemaligen Steinbruchs zurückgeholt.
Die Holzmühle war eben weit mehr als nur eine Gaststätte. Mühle, Ausflugsziel, Treffpunkt und für kurze Zeit sogar Ausweichklinik – mehr als vier Jahrhunderte Geschichte liegen an diesem kleinen Flecken zwischen Eldagsen und Dörpe.
📷 Und jetzt seid ihr gefragt: Welche Erinnerungen habt ihr an die Holzmühle?
An das Wasserrad, die Kindereisenbahn, eine Familienfeier oder einen Sonntagsausflug?
Vielleicht schlummert bei dem einen oder anderen auch noch ein altes Foto.
📜 Hinweis zu Quellen und Bildrechten:
Die Beiträge unserer Reihe „Eldagsen früher und heute“ entstehen auf Grundlage historischer Unterlagen, Fotografien, Zeitungsberichte sowie überlieferter Erinnerungen. Trotz sorgfältiger Recherche können sich insbesondere bei älteren Überlieferungen Abweichungen oder neue Erkenntnisse ergeben. Ergänzungen und Korrekturen sind daher ausdrücklich willkommen.
Die verwendeten historischen Abbildungen dienen ausschließlich der heimatgeschichtlichen Dokumentation. Sollten Rechte Dritter betroffen sein, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis.

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