Neddermeyer Gedenkstein
Zum Gedenken an das furchtbare Schicksal der Neddermeyers am 17. August 1877, ließen deren Hinterbliebenen einen Gedenkstein errichten.
Auf diesem steht eingemeißelt: „Zum Andenken an Chr. Neddermeyer, Frau Dorothee Neddermeyer, geb. Beckmann und H. Neddermeyer“. Auf der anschließenden Seite des Steins ist zu lesen: „Die der Herrgott am 17. August 1877 unser drei Geliebten durch seinen Blitz zu sich genommen hat“.
Der Dreiecksstein stand damals auf dem Hüperfeld an der Stelle des Geschehens aber im Zuge der Mechanisierung der Landwirtschaft versetzte man diesen an den Wegesrand. Einem Zeitungsartikel vom 6. August 1931 zu folge wurde dieser Gedenkstein von einer oder mehreren Personen mutwillig beschädigt und viel später brach der Stein, im Laufe der Jahre verwittert um und fiel in den Graben. Landwirt Heinrich Hische barg den Stein, der zunächst auf dem Friedhof in Eldagsen auf der Grabstelle der Neddermeyers abgestellt wurde.
Der Bürgerverein Stadt Eldagsen und Umgebung e.V., damals noch Heimatbund Niedersachsen Ortsgruppe Eldagsen, setzte alles daran, einen neuen Stein an der ursprünglichen Stelle aufzustellen und beauftragte den ortsansässigen Steinmetzmeister Dziubek mit der Arbeit. Dieser hat aus Thüster Kalkstein einen neuen Dreiecksstein angefertigt und beschriftet. Am 3. September 1994 wurde der neue Stein an alter Stelle auf einem
stabilen Fundament eingeweiht. Der Standort des Gedenksteines ist in der Flurkarte verzeichnet.
Der alte, ursprüngliche Stein wurde gereinigt, restauriert und imprägniert am 24. Februar 1995 an Professor Dr.
Callis übergeben und bekam seinen neuen Platz am Museum auf dem Burghof in Springe.
Die Geschichte:
Am 27. April 1876 wurden Ackerbürger Christian Neddermeyer und Dorothee Beckmann aus Holtensen getraut.
Am 17. August 1877 fuhren Christian Neddermeyer, mittlerweile 27 Jahre und dessen Ehefrau Dorothee, sowie der 25 Jahre alte Bruder von Christian Neddermeyer aufs Feld, um ihrer Arbeit nachzugehen. Dabei wurden die drei von einem aufziehenden Gewitter aus Richtung Südwest überrascht. Das Gewitter entwickelte sich sehr heftig mit Starkregen, so dass die drei unter einer Stiege Schutz suchten.
Nach dem die Neddermeyers zum Abend hin nicht zu Haus waren, wurde nach ihnen gesucht. Man fand sie damals gegen 19.00 Uhr tot an der besagten Stiege – vom Blitz erschlagen. Nach damaligen Zeitungsberichten zufolge war der Strohhut auf dem Kopf von Christian Neddermeyer gänzlich zerfetzt, das Haar von Dorothee auf dem Kopf versengt und auch der Bruder war nicht mehr am Leben. Der Hund lag ebenfalls tot vor den Füßen der vom Blitz erschlagenen. Der Tod musste die Unglücklichen auf der Stelle ereilt haben. Einer hielt noch das Messer vom Frühstück in der Hand und alle drei hatten noch Brot sowohl im Mund als auch in der Hand.
Gegen 22.00 Uhr wurden die Toten unter großer Bestürzung und Anteilnahme der zahlreichen Anwesenden mit dem Erntewagen zum Trauerhaus gefahren. Am 20. August 1877 fand die Trauerfeier mit Beisetzung statt. Die ganze Stadt Eldagsen war beteiligt und gegen 16.00 Uhr am Nachmittag bewegte sich ein langer Trauerzug mit ungefähr 300 Menschen vom Trauerhaus bis zu der auf den letzten Platz gefüllten Kirche. Voran gingen die damaligen drei Pastore. Es war kaum möglich die Särge durch die gedrängte Menschenmenge in die Kirche zu schaffen. Herr Pastor Freitag hielt eine tiefgreifende, zu Herzen gehende Trauerrede. Um 17.30 Uhr erfolgte dann die Beisetzung der drei Leichen in eine Gruft, der Reihe nach, so wie sie vom Tode überrascht wurden.
Am 2. Juli 1888 wurde der Neddermeyersche Hof wegen Aufgabe der Landwirtschaft mit sämtlichem Inventar durch den damaligen Auktionator H. Pinkvos versteigert.
Hierzu gehörten: 2 Pferde, 3 Kühe, 1 tragende Sau, 2 Schweine, eine Anzahl Hühner, 3 Stück Ackerwagen, 1 Drillmaschine, Eggen, Pflüge, Walzen und sonstige Wirtschaftsgeräte, auch der Vorrat an Stroh und Dünger und der Hof mit ca. 8,5 Hektar Ackerland und Garten.
Diesen Hof ersteigerte Westenfeld, der bis dahin an der heutigen Brückenstraße/Ecke Nordstraße ansässig war.
G. Schwarz
