Eldagsen war über viele Jahrhunderte eine Stadt des Handwerks. Besonders das Schuhmacherhandwerk spielte dabei eine bedeutende Rolle. Wo viele Schuhmacher arbeiteten, wurde natürlich auch Leder benötigt – und damit kommen wir zu einem weiteren, heute fast vergessenen Kapitel der Eldagser Handwerksgeschichte.
Für Eldagsen lässt sich die Gerberei Bokelmann nachweisen. Ihr Standort an der Langen Straße war für dieses Handwerk besonders günstig, denn hier stand mit dem Gehlenbach das benötigte Wasser unmittelbar zur Verfügung.
💧 Der Gehlenbach floss durch den Keller
Das Betriebsgebäude der Gerberei Bokelmann war direkt über dem Gehlenbach errichtet. Der Bach floss durch den Keller des Gebäudes, sodass das zum Einlegen der zu gerbenden Felle benötigte Wasser unmittelbar in die dortigen Kellergruben geleitet werden konnte.
Auch äußerlich waren Gebäude dieses Handwerks an einer Besonderheit zu erkennen. In den oberen Stockwerken befanden sich Trockenböden mit den sogenannten „Gaugen“. In den uns vorliegenden Aufzeichnungen werden damit einzeln zu öffnende Holzklappen an entsprechenden erkerähnlichen Vorbauten bezeichnet.
🌳 Eichenlohe für das Gerberhandwerk
Zum Gerben wurde Eichenrinde verwendet, die sogenannte Eichenlohe. Die Rinde musste dafür zunächst zerkleinert werden – und an dieser Stelle begegnet uns ein weiterer bekannter Name der Eldagser Handwerksgeschichte: Wilkending.
Die Wilkendingsche Lohmühle wurde ebenfalls durch das Wasser des Gehlenbachs angetrieben. Hier wurde die für das Gerben benötigte Baumrinde zerkleinert.
Die Lohmühle gehörte ursprünglich der Eldagser Schuhmachergilde. Nach den überlieferten Angaben befand sie sich etwa ab 1800 bis zu ihrem Abbruch im Jahr 1975 im Besitz der Familie Wilkending.
Damit bestand zwischen den verschiedenen Handwerken eine unmittelbare Verbindung: Die Lohmühle lieferte einen wichtigen Bestandteil für die Gerbung, aus den gegerbten Häuten entstand Leder und dieses wiederum war der Rohstoff für das Schuhmacherhandwerk.
⚙️ Ein fast verschwundenes Handwerk
Die Blütezeit der Eldagser Gerberei wird in den uns vorliegenden Aufzeichnungen in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeordnet.
Die Arbeit war aufwendig. Überliefert ist, dass die Eichenlohe schichtweise zwischen die zu gerbenden Felle eingebracht wurde. Nach der Gerbung musste das entstandene Leder weiterbearbeitet werden. Beschrieben werden unter anderem das Trocknen sowie das Walzen und Walken mit schweren, mühlsteinähnlichen Steinen. Die weitere Bearbeitung erfolgte an großen massiven Tischen mit schweren, aus Holz gefertigten und von Hand bedienten Geräten.
👞 Gerber, Lohmühle und Schuhmacher
So lässt sich am Beispiel der Gerberei Bokelmann und der Wilkendingschen Lohmühle noch heute nachvollziehen, wie verschiedene Handwerkszweige in Eldagsen miteinander verbunden waren. Eine besondere Rolle spielte dabei immer wieder der Gehlenbach, dessen Wasserkraft über lange Zeit für unterschiedliche Gewerbe genutzt wurde.
📷 Unser Foto zeigt die ehemalige Gerberei Bokelmann in Eldagsen.
Vielleicht befinden sich in alten Familienalben noch weitere Aufnahmen des Gebäudes oder der Lohmühle. Auch alte Rechnungen, Briefköpfe oder andere Unterlagen könnten helfen, die Geschichte dieses Eldagser Handwerks noch genauer zu dokumentieren.
Wer solche „Schätzchen“ besitzt und sie mit uns teilen möchte, darf sich gern beim Bürgerverein melden.
📜 Quellen: Überlieferungen und Unterlagen zur Eldagser Stadtgeschichte sowie Veröffentlichungen des Arbeitskreises Stadtgeschichte Eldagsen.
📸 Historische Fotos, Dokumente und Abbildungen verwenden wir ausschließlich zur heimatgeschichtlichen Dokumentation. Soweit Urheber oder Rechteinhaber bekannt sind, werden diese genannt. Sollten Rechte betroffen sein oder ergänzende Informationen vorliegen, bitten wir um Nachricht.
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