Die Gasolin-Tankstelle von Konrad Müller

21.08.2026 | 0 Kommentare

Drei Tankstellen in Eldagsen – heute kaum noch vorstellbar. Esso an der Springer Straße, Aral am Ortsausgang in Richtung Alferde und mitten an der Langen Straße die Gasolin-Tankstelle von Konrad Müller. Zu einer Zeit, als die Zahl der Automobile stetig zunahm, gehörten Zapfsäulen noch ganz selbstverständlich zum Bild einer kleinen Stadt. Eine dieser Tankstellen wollen wir diesmal in unserer Reihe „Eldagsen früher und heute“ etwas genauer betrachten.

Die Gasolin-Tankstelle von Konrad Müller in der Langen Straße 36 war dabei nur ein Teil seines Betriebes. Müller unterhielt hier außerdem eine Kraftfahrzeugwerkstatt und eine Fahrschule und war später Vertragshändler für Auto Union. Alte Zeitungsanzeigen und ein historisches Foto ermöglichen es uns heute, seine Tätigkeit in Eldagsen über mehrere Jahrzehnte nachzuverfolgen.
Die bislang älteste vorliegende Spur führt mitten in den Zweiten Weltkrieg. In einer Bekanntmachung der Wehrersatzinspektion Hannover vom 27. März 1943 wurden Fahrzeughalter aufgefordert, noch nicht abgegebene brauchbare und unbrauchbare Autobatterien abzuliefern. Als zuständiger Innungsmeister für Eldagsen wurde ausdrücklich Konrad Müller, Eldagsen, Lange Straße 36 genannt. Damit ist sein Kraftfahrzeugbetrieb an dieser Adresse bereits für das Jahr 1943 eindeutig belegt.

Besonders interessant für unsere Geschichte ist eine Anzeige aus dem Jahr 1956. Dort wirbt Konrad Müller nicht nur mit seiner Reparaturwerkstatt und der DKW-Werksvertretung, sondern ausdrücklich mit seiner Tankstelle. Gleichzeitig betrieb er eine Fahrschule. Unter derselben Adresse, Lange Straße 36, und der damals noch ausgesprochen kurzen Telefonnummer 231 vereinigten sich damit verschiedene Angebote rund um die zunehmende Motorisierung.

Auf dem erhaltenen historischen Foto, das aus den 1950er- oder 1960er-Jahren stammt, ist auch zu erkennen, unter welcher Marke die Tankstelle betrieben wurde: GASOLIN. Die Zapfsäulen gehörten unmittelbar zum Betrieb an der Langen Straße und damit mitten zum Eldagser Straßen- und Geschäftsleben.

Dabei war Müller keineswegs die einzige Möglichkeit, in Eldagsen zu tanken. Zeitweise gab es im Ort drei Tankstellen verschiedener Marken: die Esso-Tankstelle an der Springer Straße, die Gasolin-Tankstelle von Konrad Müller an der Langen Straße und die Aral-Tankstelle am Ortsausgang in Richtung Alferde. Für einen Ort von der Größe Eldagsens ist das aus heutiger Sicht durchaus bemerkenswert und zeigt, welche Bedeutung das Kraftfahrzeug im Laufe der Nachkriegszeit gewonnen hatte.

Die Tankstellen lagen an unterschiedlichen wichtigen Verkehrswegen durch beziehungsweise aus der Stadt heraus. Noch bevor große moderne Tankstellenanlagen und Selbstbedienung selbstverständlich wurden, gehörten solche kleineren Stationen unmittelbar zum örtlichen Leben. Man kannte den Tankwart, ließ sein Fahrzeug versorgen und erledigte vieles rund ums Auto beim örtlichen Betrieb.

Wie sich das Unternehmen von Konrad Müller weiterentwickelte, zeigt eine Anzeige aus dem Jahr 1965. Darin wird er als Auto-Union-Vertragshändler bezeichnet, weiterhin unter der bekannten Anschrift Lange Straße 36 und weiterhin unter Ruf 231.

Zwei Jahre später kam eine entscheidende Veränderung. Zum 4. Januar 1967 kündigte Konrad Müller die Neueröffnung seines neu erbauten Betriebes in Elze, Sehlder Straße 3, an. Dort trat er nun als Vertragshändler der Adam Opel AG auf. Damit verlagerte sich sein Kraftfahrzeugbetrieb von Eldagsen nach Elze.

Für Eldagsen blieb die Erinnerung an die Gasolin-Tankstelle in der Langen Straße. Sie gehörte zu einer Zeit, in der Tankstellen noch wesentlich stärker Bestandteil des eigentlichen Ortsbildes waren. Wo heute kaum noch etwas an sie erinnert, standen damals Zapfsäulen, hielten Fahrzeuge zum Tanken und gehörte der Geruch von Benzin ebenso zur Straße wie die Geschäfte und Handwerksbetriebe ringsherum.

Die alten Anzeigen und das historische Foto geben uns dabei mehr als nur Namen und Jahreszahlen. Sie lassen ein Stück Eldagser Alltagsgeschichte wieder sichtbar werden: 1943 ist Konrad Müller bereits als Innungsmeister des Kraftfahrzeughandwerks an der Langen Straße 36 nachweisbar, 1956 ist dort seine Tankstelle schriftlich belegt, das historische Foto aus den 1950er- oder 1960er-Jahren zeigt die Marke Gasolin, 1965 bestand der Betrieb weiterhin in Eldagsen und Anfang 1967 eröffnete Müller schließlich seinen neuen Betrieb in Elze.

Vielleicht erinnern sich noch einige Eldagser an die Gasolin-Tankstelle von Konrad Müller – oder sogar an alle drei damaligen Tankstellen. Esso an der Springer Straße, Gasolin an der Langen Straße und Aral Richtung Alferde: Erinnerungen, Fotos oder Geschichten dazu würden uns besonders interessieren.

Eldagsen früher und heute – als man in der kleinen Stadt Eldagsen noch zwischen drei Tankstellen wählen konnte.

Hinweis zu Bildrechten:
Sollte jemand Informationen zum Urheber der verwendeten historischen Fotos besitzen oder Rechte daran geltend machen können, bitten wir um eine Nachricht. Wir werden die Angaben selbstverständlich prüfen und gegebenenfalls ergänzen.

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